– 12|01|26 –
Es gibt fotografische Wege, die fühlt man sofort. Und es gibt solche, bei denen man erst einmal stehen bleibt und schaut.
ICM gehört für mich zur zweiten Kategorie.
Lange Zeit war Schärfe für mich etwas Beruhigendes. Ein Bild war dann richtig, wenn es klar war. Wenn es zeigte, was da war. Wenn nichts wackelte, nichts verschwamm, nichts zweifelte. Gerade in der Naturfotografie empfinde ich das bis heute so. Dort möchte ich Nähe zeigen, Respekt, Präsenz. Ein Vogel, ein Tier, eine Pflanze braucht für mich Klarheit. Unschärfe würde dort etwas nehmen, was mir wichtig ist.
ICM stellt dieses Denken nicht infrage. Aber es verschiebt es.
Als ich zum ersten Mal bewusst ICM-Bilder gesehen habe, war ich fasziniert. Sie wirkten wie Träume. Nicht greifbar, nicht eindeutig, nicht festgelegt. Mehr Stimmung als Abbildung. Ich fragte mich nicht, wie sie gemacht wurden. Ich fragte mich, ob ich mich darauf einlassen könnte. Denn ICM bedeutet nicht nur, die Kamera zu bewegen. Es bedeutet, Kontrolle abzugeben. Und genau da beginnt mein Lernprozess.
Theoretisch ist ICM leicht zu erklären. Längere Belichtungszeiten. Bewegung. Mitziehen. Loslassen. Praktisch ist es ein anderes Terrain.
Ich merke schnell, dass mein Körper lernen muss. Dass mein Blick sich umstellen muss. Dass ich nicht mehr nach dem einen Moment suche, sondern nach einem Fluss. Manche Versuche fühlen sich sofort stimmig an. Andere gar nicht. Manches bleibt einfach nur verwackelt. Und ich lerne, das auszuhalten.
ICM verzeiht keine Ungeduld. Wenn ich zu viel will, wird das Bild unruhig. Wenn ich zu sehr kontrollieren möchte, verliert es seinen Charakter. Ich experimentiere mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. Mit kleinen Bewegungen. Mit größeren. Mit Mitziehen und mit bewusstem Loslassen.
Es ist ein langsames Lernen. Kein Aha-Moment. Kein Jetzt-hab-ich’s-gefunden. Und vielleicht ist genau das der Reiz.
ICM zwingt mich, meine eigene Erwartungshaltung zu hinterfragen. Nicht jedes Bild muss funktionieren. Nicht jedes Bild muss bleiben. Nicht jedes Bild braucht eine Erklärung. Ich merke, wie sich mein Blick verändert. Wie ich weniger sofort bewerte. Wie ich Bilder liegen lasse. Wie manche erst später eine Bedeutung bekommen.
ICM steht für mich nicht in Konkurrenz zu meiner bisherigen Fotografie. Es ersetzt nichts. Es ergänzt. Ich darf scharf fotografieren. Und ich darf Unschärfe zulassen. Beides hat seinen Raum.
Auf meiner Mono Szenen Newbie Seite probiere ich das aus. Ohne Anspruch. Ohne Ziel. Ohne Plan. Nicht als Stilentscheidung. Sondern als Übung.
ICM ist für mich kein Ziel, das ich erreichen will. Es ist ein Weg, den ich erkunde. Mit Zweifeln. Mit Neugier. Mit Geduld. ICM bleibt für mich ein Übungsfeld. Ein Raum ohne Abschlussprüfung. Ohne Zielvorgabe. Ich begebe mich mit ICM auf eine neue Reise. Ohne zu wissen, wohin sie führt. Aber mit Neugier.


