– 27|03|26 –
Mit einem Weitwinkel in den Wald zu gehen, hatte für mich eine klare Idee: Ich wollte Nähe zeigen, Bäume größer wirken lassen, Strukturen betonen und Tiefe ins Bild bringen. Im Netz hatte ich genau solche Bilder gesehen – kraftvoll, dicht, fast greifbar. Das wollte ich auch. Die Realität: Meine ersten Aufnahmen landeten direkt im Papierkorb. Also habe ich genauer hingeschaut und gemerkt: Es lag nicht nur am Objektiv. Es lag an meinem Blick.
Mit dem Wechsel auf die 24 mm Festbrennweite wurde mir klar: Das Weitwinkel ist kein Immerdrauf-Objektiv. Ich kann nicht jedes Motiv damit abdecken. Mit einem Zoom-Objektiv halte ich die Distanz in respektvollem Abstand, mit dem Weitwinkel suche ich die perfekte Nähe.
Mit 24 mm funktioniert nichts aus dem Stand. Erst in der Hocke, manchmal flach auf dem Boden, entsteht ein Bild. Ich habe angefangen, mich wirklich auf Augenhöhe zu bringen – mit Baumstämmen, mit Gänseblümchen, mit allem, was vorher unscheinbar war. Das Ergebnis: mehr Tiefe, mehr Präsenz, mehr Bild.
Was vorher einfach „mit drauf“ war, ist jetzt entscheidend. Mit 24 mm sehe ich sofort, was stört, was ablenkt und was mein Motiv unterstützt. Ich habe gelernt, mich zu drehen, zu verschieben und neu auszurichten. Nicht das Motiv verändert sich – sondern mein Standpunkt.
Der Unterschied zwischen Blende 1.4 und 16 ist kein technischer Wert mehr, sondern ein Werkzeug. Mit Blende 1.4 wird das Objektiv so lichtstark, dass selbst trübe Tage noch Spielraum bieten. Gleichzeitig ermöglicht sie Nähe und eine klare Freistellung. Mit Blende 8 bis 16 entsteht Tiefe, Struktur und die Umgebung wird bewusst Teil des Bildes. Ich entscheide jetzt bewusster, was ich zeigen will.
Die 24 mm Festbrennweite zwingt mich zur Klarheit. Ich kann nichts verstecken, kein Zoom, kein Ausweichen. Ich suche bewusst neue fotografische Herausforderungen, und genau dabei hat mich dieses Objektiv gezwungen, mich zu verändern. Es zeigt viel, manchmal zu viel, und es verzeiht wenig. Aber genau das ist der Punkt.
Das 24 mm hat mich nicht sofort besser gemacht, aber es hat meinen Blick geschärft. Und genau das war der eigentliche Schritt.