– 16|07|26 –

Foto von Liebelle

Eigentlich fing alles mit einem neuen iPhone an.

2025 wechselte ich vom iPhone 12 Pro auf das 16 Pro.
Bei der Synchronisierung stand ich vor rund 25.000 Fotos und dachte: Nein, die müssen nun wirklich nicht alle mit aufs neue Handy. Schließlich waren sie ja gesichert. In Amazon Prime und auf meiner externen Festplatte. Was sollte da schon passieren?

Nun ja…

Mitte des Jahres verabschiedete sich die externe Festplatte. Crash. Und mit ihr plötzlich ein riesiger Teil meiner fotografischen Vergangenheit. Manchmal hat das Leben eben einen ganz eigenen Sinn für Humor. Meiner war in diesem Moment allerdings überschaubar. Aber der Festplattencrash hatte auch sein Gutes. Er zwang mich, endlich Ordnung in mein fotografisches Chaos zu bringen. Ich entwickelte einen festen Workflow für meine Bilder, den ich bis heute konsequent für alle Fotos nutze, die nach dem Crash entstanden sind. Darüber habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrag geschrieben. Man könnte also sagen: Die Festplatte gab den Geist auf, dafür zog bei mir die Ordnung ein. Irgendwas ist ja immer.

Hier soll es aber um etwas anderes gehen. Um das, was jetzt nach und nach wieder auftaucht. Alte Fotos. Alte Geschichten. Alte Gefühle. Und manchmal sogar alte Freundschaften.

In den letzten Tagen habe ich begonnen, mich durch meine wiedergefundenen Bilder zu bewegen. Und plötzlich sitze ich mitten in einem Erinnerungskarussell.

Foto von Heuschrecke

Da ist zum Beispiel dieser eine Tag auf einer Wiese. Mein 90er Makroobjektiv war damals ganz neu, und ich war aufgeregt und glücklich wie ein Kind mit einem neuen Spielzeug. Ich lief durch das Gras und entdeckte eine Welt, an der man sonst vielleicht achtlos vorbeigeht. Eine Heuschrecke wurde zur Akrobatin, eine Libelle schien eine Brett anzuheben, und eine kleine Wanze warf einen Schatten, der viel größer und gefährlicher aussah als sie selbst.

Kurz gesagt: Auf dieser Wiese war sportlich einiges los. Nur ich lag vermutlich wieder irgendwo im Gras.Und mit den Bildern war plötzlich auch das Gefühl dieses Tages wieder da. Dann tauchten die Fotos vom Blumenkasten einer Freundin auf. Sie hatte mich angerufen, weil sich dort etwas ziemlich Ungewöhnliches abspielte. Im Nest einer Bachstelze war ein Kuckucksküken geschlüpft. Die eigenen Küken waren längst ausgeflogen. Nur dieses eine blieb hartnäckig im Nest, wurde immer größer als seine Adoptivmutter und schrie unentwegt nach Futter. Offenbar hatte niemand ihm gesagt, dass es langsam Zeit zum Ausziehen war. Damals hatte ich nur mein iPhone dabei. Aber heute genügt ein Blick auf diese Bilder, und die ganze Geschichte ist wieder da.

Foto von Nest mit Küken

Vielleicht ist das überhaupt das Besondere an Fotos. Sie speichern nicht nur, was wir gesehen haben. Manchmal bewahren sie auch auf, wie wir uns dabei gefühlt haben. Und während ich mich gerade durch sieben Jahre meiner fotografischen Vergangenheit bewege, passiert noch etwas ganz anderes.

Plötzlich tauchen auch Menschen aus einer viel weiter zurückliegenden Zeit wieder auf. Alte Schulfreundinnen, mit denen ich seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hatte. Es ist schon ein ganz besonderes Gefühl: Ein halbes Jahrhundert vergeht, und dann spricht oder schreibt man wieder miteinander, und plötzlich ist da kein vorsichtiges Fremdeln, kein langes Herantasten, sondern einfach dieses Gefühl:

Ach, du bist es. Ich kenne dich. Als wären die vielen Jahre dazwischen für einen Moment einfach zur Seite gerückt.

Und ja, wer jetzt anfängt, mein Alter auszurechnen, darf das gern für sich behalten.

Und vielleicht haben alte Fotos und alte Freundschaften mehr gemeinsam, als man zunächst denkt. Manches verschwindet für Jahre aus unserem Blick. Ein Bild. Ein Mensch. Ein Gefühl. Aber offenbar nicht aus uns. Dann genügt manchmal ein wiedergefundenes Foto, eine Nachricht oder eine vertraute Stimme am Telefon.

altes Schulfoto
altes Foto von Schulkindern