– 20|04|26 –
Es gibt diese Morgen, die leiser sind als andere.
Kein Wind, kaum Geräusche – nur Licht, das sich langsam durch den Nebel schiebt. Heute war so ein Morgen.
Ich teste das 24 mm immer noch. Nicht am Stück, sondern immer wieder. Mal große Bäume, bei denen ich versucht habe, die Höhe einzufangen. Mal ganz klein – Gänseblümchen, dicht am Boden, fast unscheinbar. Dann wieder Pferde auf der Koppel, bei denen ich gemerkt habe, wie schnell Nähe entsteht, wenn man sich traut. Und heute zum ersten Mal ganz bewusst: früh am Morgen, draußen in der Landschaft.
Die Bedingungen hätten nicht besser sein können. Der Regen vom Abend lag noch auf den Wiesen, feuchte Erde unter den Schuhen, Nebel, der sich wie ein Schleier über alles gelegt hat. Und dieses Licht. Nicht laut, nicht hart – sondern vorsichtig, tastend.
Ich hatte beide Kameras dabei. Das iPhone in der rechten Tasche, links meine Trinkflasche – die leider nicht ganz dicht war. Und auf dem Rücken mein Rucksack. Auf der Sony: das 24 mm.
Und dann ging es los. Runter in die Hocke. Wieder hoch. Wieder runter. Das ganze Gewicht kommt mit. Der Rucksack zieht nach hinten, die Knie melden sich, und irgendwo tropft es leise aus der Tasche. Ich habe kurz darüber nachgedacht, ob das wirklich sein muss.
Aber dann war da dieses Netz. Und dieser Tropfen. Und das Licht. Also wieder runter.
Das 24 mm zwingt mich, näher ranzugehen. Nicht ein bisschen – richtig nah. Ich kann nicht aus der Distanz arbeiten. Ich kann nicht „holen“. Ich muss hingehen. Ich muss mich darauf einlassen. Und genau da passiert etwas.
Ein Gänseblümchen ist plötzlich keine Nebensache mehr. Ein Spinnennetz wird zur Struktur, die den Raum aufspannt. Ein einzelner Tropfen wird zum Mittelpunkt, weil er das Licht festhält. Ich habe bestimmt zwanzig Mal in die Hocke gegangen. Und wieder hoch. Und wieder runter. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Nicht, weil es leichter wurde – sondern weil es keine Rolle mehr gespielt hat.
Der Nebel lag über den Wiesen, als hätte jemand die Welt leiser gestellt. Die Konturen wurden weicher, die Farben zurückhaltender, und alles hatte plötzlich mehr Zeit. Die Sonne kam langsam durch. Nicht grell, nicht fordernd – sondern so, als würde sie fragen, ob sie schon darf.
Und irgendwo zwischen nassem Gras und ersten Sonnenstrahlen hing dieses feine Netz. Kaum sichtbar – bis das Licht es berührte. Ich musste nah ran. So nah, dass alles andere verschwand.
In diesen Momenten fotografiert man nicht einfach nur. Man ist da. Man vergisst für einen Augenblick den Rucksack, die nassen Knie, die tropfende Trinkflasche. Und man merkt, dass Weitwinkel nicht bedeutet, mehr zu zeigen. Sondern tiefer hineinzugehen.
Ich beginne zu verstehen, warum dieses Objektiv von so vielen gelobt wird. Nicht, weil es spektakulär ist. Sondern weil es dich zwingt, anders zu sehen. Es nimmt dir die Distanz. Und mit ihr oft auch die Ausrede.
Der Lernprozess geht weiter. Und das ist gut so. Denn genau darin liegt gerade der Reiz