– 29|05|26 –

Foto von einem Rapsfeld

Der Raps auf den Feldern verblüht. Mit jedem blasser werdenden Gelb verabschiedet sich der Frühling ein Stück weiter aus der Landschaft. Der Sommer steht bereits vor der Tür und bittet vorsichtig um Einlass. Die kalten Nächte mit ihren leichten Frösten ziehen sich zurück. Auch der Frühnebel am Morgen, der über Wiesen und Felder kroch wie ein stilles Geheimnis, gehört nun langsam der Vergangenheit an.

Die Luft verändert sich. Alles wirkt wärmer, dichter, lebendiger. Und mit dem Sommer beginnt wieder die Zeit der Insekten. Ich hole mein Makroobjektiv aus der hintersten Ecke des Schrankes. Einmal kurz mit Pinsel und Blasebalg darüber — und los geht’s.

Seitdem schleppe ich morgens nicht nur das schwere Geschütz durch die Gegend — die Sony A7 IV mit dem großen Teleobjektiv — sondern zusätzlich noch die handliche Sony 6500 mit dem 90er Makro. Heute habe ich das Ganze mal auf die Waage gestellt: knapp fünf Kilo. Nach drei Stunden Fußmarsch fühlt es sich allerdings eher nach zehn an.

Foto eines Käfers

Auf meiner letzten Tour habe ich tatsächlich zwei Wiedehopfe mitten in einer Schar Stare entdeckt. Nur gesehen. Die Aufnahmen sind alles andere als vorzeigbar — zu weit weg, zu hektisch, zu viel Bewegung. Und trotzdem ging mir das Herz auf.

Manchmal ist genau das der eigentliche Moment. Nicht das perfekte Bild. Nicht die Schärfe bei 300 Prozent Ansicht am Bildschirm. Sondern dieser kurze Augenblick draußen in der Natur, in dem man plötzlich etwas Besonderes entdeckt und einfach nur glücklich ist, es überhaupt gesehen zu haben.

Die Stare sind gerade überall beschäftigt. Laut, geschäftig, immer in Bewegung. Die Jungstare fordern unentwegt Nahrung und die Konkurrenz ist groß. Der Sommer scheint nun endgültig angekommen zu sein.

Foto eines Hasen

Und dann sah ich ihn — meinen zweiten Feldhasen im Mai.
Er sah mich ebenfalls, schätzte die Entfernung aber offenbar nicht als Bedrohung ein.

Zurück zum Rapsfeld — mittlerweile sieben Uhr morgens.
Die Sonne stand schon hoch genug, dass ich froh war, eine schattige Allee entlanglaufen zu können.
Links Raps. Rechts Raps.

Foto eines Hundes auf einem Waldweg

Und dann lief plötzlich ein Fuchs ganz ruhig meinen Weg entlang.
Zuerst dachte ich, er hätte mich nicht bemerkt. Später am Rechner erkannte ich an seiner Ohrenstellung, dass er sehr genau wusste, dass ich dort stand — und vermutlich auch, dass er nicht allein unterwegs war. Vielleicht warteten irgendwo im hohen Gras bereits seine Jungen.

 

Das Rapsfeld wird jetzt nur noch von Insekten, Vogelstimmen und warmem Sommerlicht beherrscht.
Der Frühling zieht sich langsam zurück und überlässt den langen Tagen das Feld.

Und während viele Menschen morgens noch schlafen, laufe ich irgendwo zwischen Feldern, Wiesen und Wegen herum — mit schmerzenden Schultern, schwerem Rucksack und viel zu vielen Objektiven.
Aber genau dort draußen, zwischen summenden Wiesen, neugierigen Feldhasen und einem Fuchs im Morgenlicht,
fühlt sich alles plötzlich leicht an.

Vielleicht sind es gar nicht die perfekten Fotos, die mich immer wieder hinausziehen.

Vielleicht ist es einfach dieses Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein.

Foto eines Sonnenuntergangs

Vielleicht war genau das der eigentliche Glücksmoment dieses Morgens. Nicht der Fuchs, nicht der Rehbock und nicht einmal Meister Löffel – mein erster wirklich gelungener Hase am frühen Morgen.

Sondern dieses Gefühl, plötzlich zu verstehen, warum man immer wieder um vier Uhr morgens aufsteht.

Für Nebel, für Stille, für Licht und für Geschichten, die nur wenige Minuten existieren.

Und manchmal einfach nur für einen einzigen Wassertropfen am Ende eines Grashalms.